|
Seite 1 von 2 ... ist alles erlaubt (F. Dostojewski) Dieser Satz ist ein sehr beliebtes religiöses Argument gegen die Gottlosigkeit. Es ist auch für viele Menschen sehr einleuchtend, deshalb wollen wir ihn untersuchen. Das Wort „erlaubt“ bedeutet, dass es irgendwo eine Autorität gibt, die etwas verbieten und erlauben kann. Der Mensch wird weiterhin in diesem Satz zu einem Menschen gemacht, der einer dauernden Autorität für sein ganzes Leben bedarf.
Die Religionsgeschichte zeigt jedoch, dass der monotheistische Gott (Christen, Juden, Islam) dauernd schweigt. Selbst der vorletzte Papst hat es in seiner Weihnachtsansprache 2002 so formuliert: "...Denn neben dem Schwert und dem Hunger gibt es eine noch größere Tragödie, das Schweigen Gottes, der sich nicht mehr offenbart, der sich scheinbar eingeschlossen hat in seinem Himmel, wie angewidert vom Handeln der Menschheit..." Weil Gott schweigt, kann er nichts erlauben oder verbieten. Der Rückgriff auf sog. frühere Offenbarungen macht die Sache nicht einfacher. Papst Woytila hat in seiner Weihnachtsansprache 2002 den Satz von Dostojewski zu Makulatur gemacht. Gott schweigt so oder so. Deshalb ist alles verboten und alles erlaubt; denn Gott schweigt ohnehin, egal, ob er existiert, oder nicht. Seine Wirksamkeit und sein Einfluss ist einfach nur „Null“. Das dauernde Schweigen Gottes hebt die Möglichkeit einer Erlaubnis genauso wie die Möglichkeit eines Verbotes auf. Folglich ist das Wissen um göttliche Gebote und Verbote nur Phantasie der Kirchenbeamten, die so tun müssen, als gäbe es die Autorität Gottes noch, sonst würden sie ihre Einkünfte verlieren. Weiterhin ist Dostojewski sein Leben lang ein Sucher nach Gott gewesen. Wir fragen nach den Ursachen:
|