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Seite 1 von 4 Iwan Mironenko, genannt Wanja Iwan Mironenko ist mir als 14jähriger Junge zweimal in meinem Leben begegnet. Dennoch ist er für mich unvergessen und diese wenigen Informationen, die ich hier weitergeben kann, sind so wichtig, dass sie nicht vergessen werden dürfen. Von seinen Freunden ließ sich Iwan Mironenko „Wanja“ nennen. So hatte seine Mutter ihn in Weißrussland genannt. Immer, wenn ihn jemand Wanja rief, wurde sein vernarbtes Gesicht ein ganz klein wenig weicher und seine „Schüttellähmung“ ließ etwas nach.
Er sprach schnell und kein Mensch verstand ihn. Er stotterte fast bei jedem Wort und konnte wegen Vernarbungen am Kehlkopf und im Mund die Wörter nur unverständlich heraus bringen. Seine Stimmlage war männlich, aber nicht erschreckend tief. Eine Unterhaltung mit ihm war mühsam. Es dauerte lange, bis er seine Wörter verständlich herausgebracht hatte. Ich war jung und er mochte mich. Aber ich hatte nicht die Geduld mit ihm zu reden. Immer wenn er mich sah, strahlte er. Er war von durchschnittlicher Gestalt und eher am unteren Durchschnitt der Körpergröße angesiedelt und hatte einen sehr stockenden und eckigen Gang, fast schon hölzern. Meistens hatte er einen Hut auf. Aber im Haus nahm er ihn ab. Ich beobachtete ihn ganz verstohlen und wollte doch nicht neugierig wirken. Aber zwischen seinem vollen dunklem Kopfhaar sah ich relativ kreisrunde Stellen, an denen kein Haar wuchs. Etwa 4 oder 5 solcher Stellen hatte er über den ganz Oberkopf verteilt. Sorgfältig kämmte er sich die Haare über diese kahlen Stellen. Diese kahlen Stellen hatten einen Durchmesser von 3 bis 4 cm. Er wohnte seit einigen wenigen Jahren in Soltau und hatte tatsächlich dort auch geheiratet. In meiner Familie munkelte man, dass er wohl nur wegen seiner Rente eine Frau gefunden hatte. Sie war wesentlich älter als er und so etwas wie eine Mutter für ihn. Sie regelte auch den ganzen Alltag mit- und für ihn. Er war da zufrieden mit und er war auch ganz liebevoll zu ihr, während das umgekehrt nicht immer so war. Verständlich. Ein paar Tage war er bei uns und dann fuhren die beiden wieder zurück nach Soltau. Ein oder zwei Jahre später waren sie noch mal bei meiner Oma; denn Opa war schon gestorben. Ich habe nur einen kurzen Besuch gemacht und gemeinsam mit ihnen Kaffee getrunken und war dann wieder weg. Irgendwann beim gemeinsamen Sonntagsessen, dann waren meistens alle die sich nicht verzankt hatten, zusammen, fragte ich nach Wanja. Meine Familie, sehr einfach strukturiert und dementsprechend sehr wortkarg, erzählte mir, dass sie Wanja aus dem Jahr 1944 kennen würden.
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