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12 Sisyphus |
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Geschrieben von Uwe Peters
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Mittwoch, 1. August 2007 |
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Liebe Frau NN, liebe Angehörigen und Freunde der Verstorbenen NN
Wir sind hier zusammengekommen, um drei Dinge miteinander zu bearbeiten:
- Krankheit und Tod des Verstorbenen sind die letzten starken Eindrücke, welche mit ihrer negativen Wucht Ihr jetziges Denken und Leben beherrschen. Das muss bearbeitet werden damit es in Ihnen zur Ruhe kommen kann. -Zweitens brauchen Sie den Verstorbenen und seine Geschichte für Ihre Zukunft. Deshalb müssen wir sie so aufbereiten, dass sie zukunftsfähig wird. -Und schließlich müssen wir auch von dem körperlichen Leben des Verstorbenen endgültigen Abschied nehmen.
Teil 1: Hilfe für die Hinterbliebenen
Den eigenen Tod stirbt man nur, heißt es, aber mit dem Tod des andern muss man leben.
Wir sind uns einig darüber, dass genau dieses Weiterleben nach dem Tod des anderen die schwerere Aufgabe ist.
- Diese unsere Aufgabe ist durchaus mit der Aufgabe des alten griechischen Helden Sisyphus zu vergleichen. - Diese Aufgabe ist aber auch zugleich ein Schlüssel für das Leben des Verstorbenen.
Es gibt in der alten griechischen Mythologie die kurze Geschichte von dem Sisyphus, der den Tod gefesselt hatte und zur Strafe deshalb immer wieder einen Felsbrocken auf die Spitze eines hohen Berges hinaufbringen musste um oben zu erfahren, dass er sofort wieder herunter fällt, sobald er dort angelangt ist.
Diese Geschichte ist sehr zutreffend für Sie, - einerseits als Lebensdeutung für den Verstorbenen, - und andererseits für uns alle, die wir den Tod in unserem Leben zur Zeit entmachtet haben.
Unser Leben erscheint uns oft wie die Aufgabe des Sisyphus, wie mühen uns unser Leben lang ab und am Ende winkt uns der Tod. Hat das alles überhaupt noch Sinn? Nein, natürlich nicht. Das Leben ist grundsätzlich sinnlos. Erst wir geben ihm Sinn. Der kann sich sogar von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt verändern.
Aber welches ist die Alternative? Die Alternative dazu ist nach der Sage - und unserer täglichen Erfahrung - der Tod.
Die Sage erzählt uns, dass wir entweder den Tod gefesselt haben – dann müssen wir die Aufgabe des Sisyphus erfüllen oder der Tod wird frei – wie im Falle unseres Verstorbenen, dann zwingt uns niemand und nichts mehr zu dieser Sisyphusaufgabe.
Diese Alternative jedoch wollen wir nicht. Wir wollen weiterleben. Das heißt, uns bleibt keine Wahl, die Aufgabe des Sisyphus ist unsere Aufgabe.
Diese Aufgabe lässt sich nur im Detail lösen.
Genau wie der Sisyphus immer ganz genau hingucken musste, wo und wie er den Felsbrocken wieder ein Stück aufwärts bekommt, genau so besteht der Sinn unseres Lebens darin, dass wir jede kleine Chance, die das Leben uns gibt, wahrnehmen und ausnutzen. Dass wir genau hingucken, dass wir Wahrnehmung lernen.
Im Zen-Buddhismus ist Wahrnehmung die größte und entscheidende Aufgabe des Schülers. Wer ein Meister in der Wahrnehmung ist, wird im Zen überall als Meister anerkannt.
In solchen Verlustsituationen, die jeder Tod mit sich bringt, schaltet die Biologie in uns erst einmal die Wahrnehmung auf ein überlebenswichtiges, reduziertes und nur notwendiges Maß herunter.
Beispiel: Viele Menschen gehen z.B. von einer Trauerfeier wieder nach Hause und unterhalten sich dann darüber. Immer wieder sagt der eine oder der andere dann: „Nein, das habe ich überhaupt nicht gesehen. So ist das gewesen? Das habe ich gar nicht mitgekriegt!“
Der Sisyphus in unserer Geschichte muss ganz sorgfältig wahrnehmen. Er muss jede Ecke und Kante wahrnehmen und überlegen, wie er den Felsbrocken - ein bisschen links oder ein bisschen rechts - leichter voran – aufwärts - bekommt.
Die Betäubung, die ein Tod mit sich bringt, zu überwinden, ist unsere erste und wichtigste Aufgabe. Wir müssen wach werden, wahrnehmen.
Das Nächste, was wir bei Sisyphus lernen ist, dass wir einfach nur das tun, was anliegt. Wir versorgen unseren Haushalt, unsere Einkäufe, unsere Besorgungen und unsere Arbeit. Wir konzentrieren uns darauf.
Natürlich hängen unsere Glieder wie Blei an unserem Leib und jede Bewegung kostet uns Überwindung.
Aber wenn wir uns überwunden haben und das Notwendige, das Nützliche und das Wichtige getan haben, erfüllt uns ein stilles Gefühl der Zufriedenheit. Wir haben etwas bewirkt. Wir haben etwas getan. Wir haben wieder eingegriffen in den Lauf der Welt und sind aus der passiven Opferrolle heraus gekommen. Wir haben etwas getan und bewirkt.
Natürlich sind wir auch weiterhin schwermütig und alles das bewirkt keine Wunder. Aber wir haben uns in das weiterfließende Leben eingeklinkt, wir machen wieder mit und der Fluss des Lebens umspült uns wieder.
Drittens lernen wir bei Sisyphus, dass wir zwischen den tiefen gefühlsmäßigen Abstürzen im Laufe der Zeit mal wieder kurzfristig lachen können und dass es Augenblicke gibt, in denen wir nicht an die Sinnlosigkeit der ganzen Lebensveranstaltung denken müssen. Es gibt Momente, in denen die vergehende Schönheit des Lebens, die ganze Pracht der Vergänglichkeit und das Entzücken an den viel zu schnell vergehenden glücklichen Situationen des Lebens, uns gefangen nimmt. Das können und sollen wir genießen.
Auch bei der stets vergeblichen Aufgabe des Sisyphus gab es Augenblicke der Erleichterung und auch schon mal so etwas wie Freude. Er blickte zurück und sah, was er schon geschafft hatte. Dabei war der letzte Meter schon wieder ein schöner Erfolg.
So geht es uns auch. Wenige Male am Tag überkommt uns schon mal ein – wenn auch nur vorübergehendes - positives Gefühl.
Das ist kein Verrat an der düsteren Wahrheit des Lebens. Wir müssen deshalb kein schlechtes Gewissen haben.
Ohne ein positives Lebensgefühl kann man nicht leben.
Zu dieser Aufgabe des Lebens gehört, dass wir unser Tagewerk so vollbringen, dass wir es am nächsten Tag auch noch tun können. Das geht aber nur, wenn unser Tagewerk uns zufrieden macht, wenn es für uns Erfüllung sein kann, kurz ein gutes Leben ist.
Sisyphus ist in uns allen. Die Götter haben irgendwann den Tod wieder befreit. Solange der Tod in unserem Leben gebunden und gefesselt ist, kommen wir an Sisyphus Aufgabe nicht herum. In N.N. Leben ist der Tod wieder befreit. Er muss Sisyphus Aufgabe nicht mehr erfüllen.
Wir aber wollen die schwere Last noch ein kleines Stück weiter nach oben schieben. Wir geben nicht auf. Wir machen aus allem das Beste. Wir sind unverbesserliche Positivisten. Wir gewinnen allem eine positive Seite ab; denn das brauchen wir für unser Leben wie das tägliche Brot und um unsere Sisyphusaufgabe zu erfüllen.
Die Sisyphusaufgabe des Verstorbenen wollen wir jetzt ganz konkret anhand seiner Lebensdaten und Ihrer Erinnerungen ansehen:
(Es folgt der Lebenslauf des Verstorbenen mit den biografischen Daten (dem Gedächtnis) gemischt mit den Erinnerungen (den subjektiven Einfärbungen).
Abschied
Wir haben das Leben des Verstorbenen mit seinen vielen Leiderfahrungen eingegliedert und plausibel gemacht mit Hilfe der uralten griechischen Sage von Sisyphus.
Wir haben im Detail festgestellt, dass dieses überzeitliche Bild durchaus in vielen Teilen auf das Leben des Verstorbenen zutrifft und wir übernehmen seinen Mut und seine Unermüdlichkeit auch in unsere vielen vergeblichen Bemühungen und machen deshalb einfach weiter.
Wir geben nicht auf, weder uns selbst noch andere. Die Solidarität des Lebens gegen den Tod verlangt das von uns. Dennoch beschließen wir, dass alles was mit dem Leben und Tod des Verstorbenen zusammenhängt, so in Ordnung ist.
Die gebräuchliche universale Formel in den Trauerfeiern – die uns zum Handeln auffordert - heißt dazu so oder ähnlich:
Wir sind nun aufgefordert unseren Frieden mit dem Leben und Tod des Verstorbenen zu machen.
Während Sie das bei sich selbst bedenken und beschließen, werde ich dem Verstorbenen einen Text von Nikolaus Lenau widmen:
Blick in den Strom
Sahst du ein Glück vorübergehn, das nie sich wiederfindet, ist`s gut in einen Strom zu sehn, wo alles wogt und schwindet.
Oh, starre nur hinein, hinein, du wirst es leichter missen, was dir, und soll`s dein Liebstes sein, vom Herzen ward gerissen.
Blick unverwandt hinab zum Fluss, bis deine Tränen fallen, und sieh durch ihren warmen Guss die Flut hinunter wallen.
Hinträumend wird Vergessenheit Des Herzens Wunde schließen; Die Seele sieht mit ihrem Leid Sich selbst vorüber fließen.
Nachdem wir nun unseren letzten gemeinsamen Weg mit dem Verstorbenen gegangen sind, betten wir nun
NN, geboren am XXX und gestorben am XXX zu seiner letzten Ruhe.
Wir wollen nicht klagen, weil wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn – wenn auch nur für kurze Zeit - unter uns hatten.
Wir wollen ihn nun mit Blumen und Erde zudecken, damit niemand seine Ruhe stört.
Ruhe in Frieden |
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 19. Oktober 2007 )
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11 Hoffnung |
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Geschrieben von Uwe Peters
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Mittwoch, 1. August 2007 |
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Liebe Frau NN, liebe Angehörigen und Freunde der Verstorbenen NN Wir sind hier zusammen gekommen um von dem Verstorbenen Abschied zu nehmen und seiner noch einmal gemeinsam würdigend zu gedenken. In Trauerfeiern wird viel von Hoffnung gesprochen. Heute möchte ich das auch tun. Dabei bin ich mir natürlich bewusst, dass das Thema Hoffnung speziell im Zusammenhang mit Sterben und Tod das meist strapazierte Thema überhaupt ist. Gibt es nicht im Gefolge der bahnbrechenden Arbeiten des Philosophen Ernst Bloch mit seinem Buch: Das Prinzip Hoffnung (1954 –1959) und des Theologen Jürgen Moltmann mit seinem Werk: Theologie der Hoffnung (1964) eine Unzahl von Lebenshilfen, die uns in allen Variationen das Thema Hoffnung anbieten? Signalisiert dieses überreiche Angebot nicht auch eine heftige Nachfrage; denn sonst würden diese Angebote doch gar nicht gemacht? Die Nachfrage rührt her von allen jenen Menschen, die sich in ihrer Lebensbewältigung – besonders in Krisensituationen - auf sich selbst gestellt fühlen. Jene Menschen, die das Erwachsensein ernst nehmen und die Verantwortung für ihr Leben akzeptiert haben? Der Verlust von Traditionen, Konventionen und Religionen, welche das frühere Leben bis in den Alltag hinein geregelt haben und die Menschen im Stadium kindlicher Abhängigkeit gehalten haben, macht sich deutlich bemerkbar in der Suche nach Gründen für die Hoffnung. Die Möglichkeiten dieser kollektiver Hoffnungen, welche aus den kindlichen Abhängigkeiten erwuchsen, sind in den Feuern der Weltkriege für immer verbrannt. Und das ist gut so; denn wenn die Grundausstattung des menschlichen Lebens: Glauben, Hoffnung und Liebe, zu einem allgemeinen Programm wird, dann wird die lebenserhaltende Kraft der Hoffnung zunächst verwässert und schließlich auch vernichtet. Hoffnung ist immer und ausschließlich eine ganz individuelle, also eine persönliche Angelegenheit. Wo finde ich jedoch die Hoffnung individuell für mich? - Zunächst: Hoffnung hat eine existentielle Qualität. Man kann sie weder lehren noch lernen. Diese individuelle existentielle Qualität der Hoffnung wird in unserem Sprachgebrauch sehr schön deutlich: Wir sagen schon mal: „Es gibt für ihn/sie keine Hoffnung mehr.“ Das bedeutete im Klartext: Dieser einzelne und individuelle Mensch wird sterben. Hoffnung und Leben sind voneinander nicht zu trennen. Leben kann nur existieren, wenn Hoffnung da ist. Hoffnung ist wie das eigene Leben, deshalb ausschließlich eine individuelle Qualität. Hoffnung ist das Leben und das Leben ist Hoffnung. - Sodann: Hoffnung ist vorweggenommenes Leben über die Gegenwart hinaus, also für den kommenden Augenblick, der noch nicht eingetreten ist. Die Erinnerung mit ihrem Schwerpunkt: Liebe ist unser Leben in der Vergangenheit und die Prägung daraus. Der Glaube ist unser Lebensvollzug in der Gegenwart und die Begründung für die Metamorphose, die sich in der Gegenwart vollzieht und die Hoffnung ist unser Leben über den gegenwärtigen Augenblick hinaus. Die Gegenwart ist zugleich immer die Metamorphose der Vergangenheit (Verwandlung, Umgestaltung, Umwandlung, usw.) in die Zukunft hinein. Es ist die ständig neue Aufgabe, welche uns die Gegenwart stellt, dass wir die Vergangenheit so bearbeiten und damit auch verändern, dass sie zukunftsfähig wird. Für die Zukunft brauchen wir die Vergangenheit. Ohne Vergangenheit kann es keine Zukunft geben. - Und schließlich schöpft die Hoffnung ihre Begründung aus der Vergangenheit. Weil die Zukunft erst eintritt, also noch nicht eingetreten ist, bedarf sie einer Begründung. Das Bauwerk der Zukunft braucht ein Fundament, wenn es kein Luftschloss werden soll. Deshalb braucht Hoffnung eine Begründung. Diese Grundlage oder Begründung, also den Grund für Hoffnung, liefert die Vergangenheit. Der Blick zurück – also die Erinnerung – zeigt als geschehene Wirklichkeit, als unumstößliches Faktum, dass das Leben auch trotz schwerster Krisen sich im Leben des Verstorbenen immer positiv und lösungsorientiert durchgesetzt hat. Ihre Vergangenheit mit dem Verstorbenen ist auch deshalb der Grundstein für Ihre Zukunft. Das Leben in der Zukunft und für die Zukunft nennen wir Hoffnung. Als ich das Leben des Verstorbenen am Schreibtisch durchdachte mit den Informationen, die ich von Ihnen bekommen habe, leuchtete die Überschrift: „Hoffnung“ durch sein ganzes Leben. Diese Hoffnung strahlte in seine Umgebung und in die Gesellschaft zurück. Auch wenn die Hoffnung die Zukunft des Individuums ist, sie strahlt in die Gemeinschaft hinein und nimmt sie mit in ein gutes Morgen. Dieses Leben der Hoffnung, am Beispiel des Verstorbenen, wollen wir nun genauer betrachten... (Es folgt der Lebenslauf des Verstorbenen mit den biografischen Daten (dem Gedächtnis) gemischt mit den Erinnerungen (den subjektiven Einfärbungen). Abschied Wir haben gemeinsam darüber nachgedacht, was in dieser Abschiedssituation aus der Vergangenheit in die Zukunft hinein leuchtet und uns als Lebensgrundlage der Hoffnung dient. Wir haben diese Hoffnung aus dem Leben des Verstorbenen begründet. Jetzt steht die Entscheidung an, es auch so zu tun. Der Unterschied zwischen Reden und Tun liegt im Tun. Die gebräuchliche universale Formel in den Trauerfeiern – die uns zum Handeln auffordert - heißt dazu so oder ähnlich: Wir sind nun aufgefordert unseren Frieden mit dem Leben und Tod des Verstorbenen zu machen. Eine Alternative dazu gibt es nicht. Während Sie das bei sich selbst bedenken und beschließen, werde ich dem Verstorbenen einen Text aus den Gedichten von Katrin Wypior (08.10.1997, 16 Jahre alt) widmen: Time to say goodbye Es ist erloschen, das Feuer,
das Feuer des Lebens, das Feuer des Glücks, das Feuer der Liebe, das Feuer aller Trauer Es ist ausgebrannt, ein Feuer, ein Feuer in unseren Herzen, ein Feuer in der Welt, ein Feuer zwischen Freunden, ein Feuer, das uns gewärmt hat. Übrig bleibt nur ein Funke, der Funke der Liebe zu uns und von uns, der Funke, der nie erlöschen kann, der Funke, der voller Hoffnung glüht, der Funke, der Dich uns immer erhalten wird. Wir nehmen Abschied von jemanden, von jemanden, der ein Stück unserer Vergangenheit ist, von jemanden, der uns beim Erbauen unserer Welt geholfen hat, von jemanden, der an uns geglaubt hat, von jemanden, der immer ein Teil von uns bleiben wird. Nachdem wir unseren letzten gemeinsamen Weg mit dem Verstorbenen gegangen sind, betten wir nun NN, geboren am XXX und gestorben am XXX zu seiner letzten Ruhe. Wir wollen nicht klagen, weil wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn unter uns hatten. Wir wollen ihn nun mit Blumen und Erde zudecken, damit niemand seine Ruhe stört. Ruhe in Frieden |
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 19. Oktober 2007 )
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10 Sascha Wagner |
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Geschrieben von Uwe Peters
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Mittwoch, 1. August 2007 |
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Liebe Frau NN, liebe Angehörigen und Freunde der Verstorbenen NN Wir müssen von dem Verstorbenen Abschied nehmen und darüber nachdenken, wie man mit einem solchen Verlust durch Tod optimal umgehen kann. Die Anforderungen des Alltags hören ja nicht auf, wenn ein Mensch aus unserem engen Beziehungsbereich gestorben ist Im Gegenteil, sie stürmen mit erhöhtem Druck auf uns ein. Sascha Wagner schildert uns diese verzweifelte Situation und aus eigener Erfahrung zeigt sie uns einen Ausweg, der nicht nur schön klingt und vernünftig ist, sondern der auch hilft. Ich lese einen Text von Sascha Wagner, die ihr Kind durch Tod verloren hat: Über das „Stark-Sein“ Viele Menschen sind überzeugt davon dass Stark- und Tapfer-Sein bedeutet an „etwas anderes“ zu denken nicht über die Trauer zu sprechen Aber wir wissen dass wirklich Stark- und Tapfer-Sein bedeutet an das Geschehene zu denken über das Gewesene zu sprechen bis unsere Trauer beginnt erträglich zu werden Das ist wirkliche Stärke das ist wirklicher Mut Und nur so wird Stark- und Tapfer-Sein uns zur Heilung tragen Was ist das eigentlich: „Stark- und Tapfer-Sein?“
Sascha Wagner erzählt aus ihrer eigenen leidvollen Geschichte, dass viele Menschen in der Situation der Hinterbliebenen Stark- und Tapfer-Sein als eine Bringeschuld der Hinterbliebenen definieren. Es ist nicht genug, dass die Hinterbliebenen einen lieben Menschen verloren haben, sondern sie sind nun auch noch verpflichtet den anderen Menschen positiv und strahlend zu begegnen. Die Hinterbliebenen sollen an etwas anderes denken. Sie sollen ihren Gegenübern Lebensmut einflößen, Fröhlichkeit bewirken und deren Kraft zum Durchhalten im Lebenskampf unterstützen. Das ist leider auch ein Teil der unterschwelligen Botschaft in dieser Bitte: „Denk an etwas anderes, sei tapfer!“ An was sollen die Hinterbliebenen denn denken, statt an ihren verstorbenen Menschen? An was „anderes“ sollen die Hinterbliebenen denken, damit sie ihre Stärke beweisen? Gibt es überhaupt etwas anderes, was wichtiger, größer und interessanter sein kann, als der Verstorbene und sein Leben? Wir wissen es instinktiv aus tiefster innerer Überzeugung, dass wir über das Geschehene nachdenken wollen und müssen, dass wir über das Gewesene immer wieder reden müssen, weil jedes Reden uns eine neue Fassette des geliebten verstorbenen Menschen sichtbar macht und bleibend in unseren Erinnerungen verankert. Und jedes Mal, wenn wir die alten Erinnerungen wiederholen, nutzt sich der innere Druck ein ganz klein wenig ab. Jedes Mal sehen wir unseren verstorbenen Menschen in einer etwas anderen Beleuchtung und jedes Mal wird die maßlose Sehnsucht nach dem verstorbenen Menschen ein ganz klein wenig stiller. Jedes erinnernde Gespräch ist immer auch ein Stück Rekonstruktion unseres Lebenshauses, welches uns in Zukunft beherbergen muss. Jedes Gespräch über den Verstorbenen schafft wieder ein Stück Mauer, eine Tür, ein Fenster, einen Wasserhahn und ein Stück Tapete in unserem Lebenshaus, was durch den Tod des Verstorbenen zerstört worden ist, was wir aber um unserer Zukunft willen dringend restaurieren und neu aufbauen müssen. Es ist ein schmerzhafter Prozess, den wir eigentlich gar nicht wollen. Aber wir haben uns entschlossen, dass das Leben Vorrang haben soll und deshalb muss die Sehnsucht nach dem, was nicht mehr sein kann, ganz langsam und stetig leiser und leiser werden und konstruktiv zu einem Baustein unserer Zukunft werden. Die Hinterbliebenen bringen ein maßloses Opfer für das Leben. Und ich kann gut verstehen, dass viele Menschen dieses Opfer nicht bringen wollen. Was soll dieses Leben noch ohne den geliebten Menschen? Wir können die Sehnsucht nach dem verstorbenen Menschen und nach dem Tod nur überwinden, wenn wir Schritt für Schritt über das Gewesene reden und immer wieder reden und über das Geschehene nachdenken. Wollen wir das Leben gewinnen, müssen wir stark sein. Dazu gehört nicht auszuweichen, zu kneifen, zu vermeiden und der Sache zu entfliehen. Unsere Aufgabe ist das Leben, und das funktioniert nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht mehr von alleine oder sogar automatisch. Wir müssen uns für das Leben entscheiden. Und diese Entscheidung fällt schwer, weil der geliebte Mensch, der uns viele Male zum Sinn unseres Lebens geworden ist, nicht mehr da ist. Jetzt müssen wir zu unserem Leben ohne den anderen ja sagen. Das Leben, welches wir bei unserer Geburt automatisch angenommen und bejaht haben, müssen wir nun nach dem Tod unseres verstorbenen Menschen ganz bewusst wieder neu bejahen und annehmen. Und deshalb wollen wir jetzt auch im Sinne des Textes von Sascha Wagner über das Gewesene sprechen. Damit wollen wir unser Lebenshaus für die Zukunft rekonstruieren und fest machen. Wir wollen eintauchen in das Geschehene und daran ausprobieren, ob wir es schaffen, dankbar für die vielen schönen Erlebnisse und Erfahrungen zu werden. (Es folgt der Lebenslauf des Verstorbenen mit den biografischen Daten (dem Gedächtnis) gemischt mit den Erinnerungen (den subjektiven Einfärbungen). Abschied In unserer Trauerfeier haben wir nicht „an etwas anderes gedacht“, sondern haben über „das Gewesene gesprochen“. Und wir erleben es in diesen Augenblicken, dass wir das alles aushalten können und wenn wir zurück blicken, dann haben wir jetzt ganz konkret erfahren, dass „darüber reden“ nicht schwerer macht, sondern „leichter“. Jetzt greifen wir mutig unsere letzte Aufgabe der Trauerfeier an. Die gebräuchliche universale Formel in den Trauerfeiern heißt dazu so oder ähnlich: Wir sind nun aufgefordert unseren Frieden mit dem Leben und Tod des Verstorbenen zu machen. Eine Alternative dazu gibt es nicht. Während Sie das bei sich selbst bedenken und beschließen, werde ich dem Verstorbenen einen Text aus den Gedichten von Erich Fried widmen: Vorübung für ein Wunder Vor dem leeren Baugrund
Mit geschlossenen Augen warten Bis das alte Haus Wieder dasteht und offen ist Die stillstehende Uhr Solange ansehen Bis der Sekundenzeiger Sich wieder bewegt An Dich denken, Bis die Liebe zu Dir Wieder glücklich sein darf Das Wiedererwecken Von Toten Ist dann Ganz einfach Nachdem wir unseren letzten gemeinsamen Weg mit dem Verstorbenen gegangen sind, betten wir nun NN, geboren am XXX und gestorben am XXX zu seiner letzten Ruhe. Wir wollen nicht klagen, weil wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn unter uns hatten. Wir wollen ihn nun mit Blumen und Erde zudecken, damit niemand seine Ruhe stört. Ruhe in Frieden |
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 19. Oktober 2007 )
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09 Mach das Beste draus |
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Geschrieben von Uwe Peters
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Mittwoch, 1. August 2007 |
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Liebe Frau NN, liebe Angehörigen und Freunde der Verstorbenen NN
Wir sind hier zusammen gekommen um von dem Verstorbenen Abschied zu nehmen und seiner noch einmal gemeinsam würdigend zu gedenken.
Solch ein Satz der Orientierung ist vorweg sehr wichtig, weil die Aufgaben einer Trauerfeier z.B. in den verschiedenen Religionen ganz anders gesehen werden.
Diese, meine Einleitung ist keine Formel, die man so sagt, sondern im konkreten Fall wird sehr deutlich, dass wir hier keinen Gottesdienst durchführen und auch keine Seele zu Gott geleiten, sondern dass wir hier Abschied nehmen und den Verstorbenen würdigen wollen.
Wenn ein Mensch gestorben ist, ist das ja kein alltägliches Ereignis. Weil das so ist, wissen wir oft auch nicht so recht, wie wir damit umgehen sollen.
Wie geht man mit dem Tod um? Wie verhält man sich in solcher Situation?
Früher war das alles ganz einfach. Alles war festgelegt. Aber heute, wo jeder etwas anderes will und jeder eine andere Meinung zu der ganzen Sache hat? Kann es heute noch so etwas wie eine allgemeine und verbindliche Leitlinie oder Leitidee geben?
Ich meine: Ja!
Als moderne Menschen – eingebettet in diesen historisch einmaligen Prozess des „anything goes“, wie es der Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend erarbeitet hat - wissen wir, wir können auf nichts zurückgreifen, als auf uns selbst.
Und dabei wird von uns immer nur das Eine gefordert: Mach das Beste draus!
Ist das trivial oder lohnt es sich darüber nachzudenken?
Ich denke, diese Aufgabe ist viel umfangreicher; als das wir sie mit einem Alltagsschlagwort erledigen könnten, denn sie betrifft unsere ganze Lebensexistenz, also auch diesen völlig unverständlichen und unsinnigen Tod, den wir hier zu bearbeiten haben.
Der große jüdisch Naturwissenschaftler und Philosoph Jeshajahu Leibowitz – er selbst hat seinen Sohn Uri durch den Tod verloren – formuliert den Sachverhalt sehr genau so: „Ich finde mich damit ab, dass die Welt eben ihren natürlichen Lauf nimmt. Ich sage das nicht als Philosoph. Aber ich lebe in der Welt, die nach ihren eigenen Gesetzen abläuft. Das ist das Leben!
Wenn man das nicht will, dann muss man sich umbringen. Wenn man damit nicht einverstanden ist, in dieser schrecklichen Welt zu leben – dann kann man sich auch das Leben nehmen.“ (Gespräche über Gott und die Welt, ISBN 3-458-33268-5)
Daraus ergibt sich zwingend – wenn wir uns nicht umbringen wollen – dass wir „in dieser schrecklichen Welt“ täglich vor der immer gleichen Aufgabe stehen: Mach das Beste draus!
Sicher erscheint uns das oftmals wie die Strafe des Sisyphus, der immer wieder den Felsen auf die Spitze des Berges hinaufbringen musste um oben zu erfahren, dass er sofort wieder herunter fällt.
Aber welche Alternative hatte er? Welche Alternative haben wir?
Der Alltag und die Allnacht unseres Lebens können nur sinnvoll funktionieren, wenn es uns gelingt, aus ihnen immer wieder das Beste zu machen.
Das heißt doch: Mach nicht irgendetwas daraus, lass die Dinge nicht einfach so treiben, entschuldige Dich nicht dauernd, dass Du etwas nicht kannst, nicht gewusst hast, oder dass Du keine Chancen hast, sondern mach das Beste daraus, hier und jetzt, aus Deiner Situation.
Die alten Chinesen am anderen Ende der Welt haben das genau so gesehen, wenn sie den Spruch aufgestellt haben: „Es ist besser eine Kerze anzuzünden, als das Dunkel zu fürchten!“
Das Beste muss an jedem Tag unser Ziel sein. Auch wenn am Ende der Tod steht.
Es ist schon erstaunlich, dass der Begründer des Christentum – der Apostel Paulus – zu den gleichen Erkenntnissen kommt; denn die Wahrheiten der Bibel sind in Wirklichkeit die gleichen Wahrheiten, welche auch z.B. in China bekannt sind.
In Philipper 1, 9 - 10 heißt es: „Und darum bete ich, dass eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, dass ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf dass ihr seid lauter und unanstößig auf den Tag Christi,...“ Das heißt doch, das Paulus hier den Menschen in Philippi dieselbe goldene Regel schreibt, die mit unserem Thema völlig übereinstimmt: Mach das Beste draus!
Es ist schon sehr merkwürdig, dass Paulus seine Leser auffordert, "zu prüfen, was das Beste sei..." Und ihnen nicht versichert, dass wenn sie die Gebote halten oder ein christliches Bekenntnis ablegen, dann wären sie "unanstößig auf den Tag Christi..."
Wir können deshalb diesen Satz als das ganz große Überlebensgebot für uns sehen, in dem alles das zusammengefasst ist, was unser Leben lebenswert macht, wenn wir diesen Satz erfüllen.
Mach das Beste draus, aus dieser Verlustsituation und diesem Tod. Kann man das überhaupt? Kann man aus dem Tod und Verlust eines lieben Menschen das Beste machen? Ist das überhaupt statthaft? Wenn ja, wie geht das?
- Indem Sie darüber nachdenken und sich so an ihn erinnern.
In einem jüdischen Gebet heißt es: Beim Aufgang der Sonne erinnern wir uns an sie. Beim Regen und Wind erinnern wir uns an sie. Beim Sonnenuntergang erinnern wir uns an sie. Bei unserer Arbeit und bei unserer Freizeit erinnern wir uns an sie. So lange wir leben erinnern wir uns an sie.
Diese „sie“ sind die Verstorbenen. In diesem Gebet wird deutlich, was es heißt, einen Menschen zu würdigen. Man muss sich an ihn erinnern, über ihn sprechen und ihm so sein Weiterleben in unseren Köpfen und Herzen ermöglichen. - Indem Sie darüber nachdenken, dass er bei allen seinen Schwächen und Stärken Ihnen vieles beigebracht hat, was Sie heute noch anwenden und verwerten. Er hat Sie geprägt und Sie haben ihn geprägt.
- Indem sie sich sein Leben genau ansehen und das daraus heraussuchen, was in seinem Leben geklappt hat und was Sie deshalb übernehmen können. Und da gibt es eine ganze Menge.
Auf diese Weise setzen Sie das Leben des Verstorbene in sich fort.
So macht man auch aus dem Tod eines Menschen das Beste draus, indem man den Verstorbenen ganz fest zu einem lebendigen Bestandteil des eigenen Lebens macht. Das geht nicht ohne Erinnerung. Das geht nicht ohne das erinnernde Gespräch. Nur so gelingt der Abschied.
(Es folgt der Lebenslauf des Verstorbenen mit den biografischen Daten (dem Gedächtnis) gemischt mit den Erinnerungen (den subjektiven Einfärbungen).
Abschied
Wir haben darüber nachgedacht, wie man selbst aus dem Tod eines lieben Menschen noch das Beste machen kann. Und wir haben festgestellt, dass der Auftrag des Lebens an uns in jeder Situation der gleiche ist: Mach das Beste draus!
Wir haben genau das miteinander getan. Wir haben uns erinnert.
Jetzt setzen wir dieses unser „richtiges Tun“ fort, in dem wir Abschied nehmen.
Die gebräuchliche universale Formel in den Trauerfeiern heißt dazu so oder ähnlich: Wir sind nun aufgefordert unseren Frieden mit dem Leben und Tod des Verstorbenen zu machen.
Eine Alternative dazu gibt es nicht.
Während Sie das bei sich selbst bedenken und beschließen, werde ich mich zum Sprecher des Verstorbenen machen:
Der Wunsch der Toten
Gebt Euren Toten Heimrecht, ihr Lebenden, dass wir unter euch weilen in dunklen und hellen Stunden.
Weint uns nicht nach, dass jeder Freund sich schämen muss von uns zu reden. Macht, dass die Freunde ein Herz fassen, von uns zu plaudern und zu lachen.
Gebt uns Heimrecht, wie wir es im Leben genossen haben.
Nachdem wir unseren letzten gemeinsamen Weg mit dem Verstorbenen gegangen sind, betten wir nun
NN, geboren am XXX und gestorben am XXX zu seiner letzten Ruhe.
Wir wollen nicht klagen, weil wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn unter uns hatten.
Wir wollen ihn nun mit Blumen und Erde zudecken, damit niemand seine Ruhe stört.
Ruhe in Frieden |
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 19. Oktober 2007 )
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08 5 Rettungsmöglichkeiten |
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Geschrieben von Uwe Peters
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Mittwoch, 1. August 2007 |
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Liebe Frau NN, liebe Angehörigen und Freunde der Verstorbenen NN Wenn ein Mensch gestorben ist, zu dem wir näheren und engeren Kontakt hatten, dann bleibt oft das Gefühl tiefer Verunsicherung, Angst, Hilflosigkeit und absoluter Orientierungslosigkeit in uns zurück. Deshalb lassen Sie uns gemeinsam einige wenige Augenblicke darüber nachdenken, wie wir aus diesem unglücklichen Zustand mit eigener Kraft wieder herausfinden können. 1. Der sichere Ort: Als erstes brauchen wir einen sicheren Ort. Dieser geistig-psychische Ort ist durch den Tod des Verstorbenen erschüttert und aller seiner Sicherheit beraubt. Bevor wir irgend etwas weiteres unternehmen können, müssen wir wieder festen Grund unter unseren Füßen haben. Nun haben die Menschen an der Küste den großen Vorteil, dass sie direkt am Meer wohnen. Wie bekommt man mitten in der Nordsee – der Ostsee - festen Grund unter den Füßen? Indem man sich diesen festen Grund selber zimmert. Die Leute am Rheingraben und in Thüringen haben es etwas schwerer; denn sie glauben, dass sie in ihrer Gegend festen Grund unter den Füßen haben. Aber die gelegentlichen Erdstöße, an die sie sich gewöhnt haben, zeigen ihnen, dass der Grund so fest auch nicht ist. Wir wissen, unser Leben hat den Sinn, den wir ihm geben. Der feste Grund unter unseren Füßen ist so fest, so fest wie wir ihn bauen. Ein Weisheitstext erklärt uns: Unbesorgt sind, die ihrem SELBST vertrauen, denn es enttäuscht sie nie. Den festen Grund für unser zukünftiges Leben können wir nur in uns selbst finden. Der Tod des Verstorbenen hat Ihnen Ihre lieb gewordene Stütze weggenommen. Vertrauen Sie Ihrem SELBST als Ihrem festen Grund unter Ihren Füßen. 2. Verbundenheit mit anderen Menschen: Wir verdanken unser Leben der Verbundenheit unseres Vaters mit unserer Mutter und umgekehrt. Leben entsteht aus der Verbindung von zwei Menschen. Und Leben kann nur in der Verbindung mit andern Menschen weiterhin existieren. Erst der Tod ist eine Sache, die uns ganz alleine etwas angeht. Deshalb sterben sehr viele Menschen gerade in dem Augenblick, wenn sie mal für eine Minute alleine im Zimmer sind. Wenn wir uns für das Leben entschieden haben, also leben wollen, einen festen Grund unter unseren Füßen gezimmert haben, dann beinhaltet das, dass wir auch zu anderen Menschen ja sagen. Wir suchen und arbeiten an der Verbindung zu anderen Menschen und sichern die Verbundenheit mit ihnen ab. Wir brauchen andere Menschen und andere Menschen brauchen uns. Nur so kann Leben funktionieren. Niemand ist eine Insel. Niemand kann alleine existieren. 3. Eine neue Orientierung annehmen: Wenn uns der geliebte Partner weggestorben ist, bleibt bei uns oft ein Gefühl von Minderwertigkeit zurück. Unser Lebenskonzept, in dem der verstorbene Mensch eine wichtige Rolle gespielt hat, ist zerstört. Wir können nicht weitermachen wie bisher. Wir haben das Gefühl, wir selbst sind auch zerstört. Und es ist ja auch richtig so, dass ganz viel von dem, was wir gewollt, geplant und für die Zukunft vorgesehen haben nun nicht mehr möglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass wir nun gar nichts mehr sind. Wir sind gemindert durch den Verlust des geliebten Menschen, aber diese Minderung, dieses Wegsein von etwas, hat uns die Hände frei gemacht für andere Dinge. Diese „anderen Dinge“ sind Gegenstand und Inhalt einer neuen Orientierung, die wir uns suchen und dann auch annehmen müssen. 4. Eine „Meta-Ebene“ für sich selbst finden: Wenn wir lernen uns selbst aus einer gewissen Distanz zu betrachten, dann können wir vergleichen. Dann merken wir, dass es anderen teilweise viel schlimmer gegangen ist als uns selbst. In früheren Schlachten befand sich der Feldherr auf dem „Feldherrenhügel“. Er musste den Überblick behalten. Er musste alles sehen. Er durfte sich selbst nicht im Kampfgetümmel verlieren. Die Meta-Ebene ist dieser innere Feldherrenhügel, der uns manchmal sagt: „Jetzt kommt wieder ein trauriger, schwermütiger und vielleicht auch depressiver Schub und nachher wird es wieder leichter sein.“ Wenn wir das erkennen können, dann wissen wir, dass ein Schub nicht ewig dauert und hinterher wieder eine andere Zeit kommt. Deshalb können wir diesen Schub besser ertragen, weil unsere Hoffnung auf eine bessere Zeit realistisch ist. Daraus lernen wir, dass wir diesen traurigen Schub nicht mehr so wichtig nehmen, dass er uns zerbrechen kann. Wir haben eine übergeordnete Ebene erreicht und damit können wir den depressiven Schub relativieren. 5. An die eigene Kompetenz glauben: Wenn man längere Zeit mit einem geliebten Menschen zusammen gelebt hat, verteilen sich die Aufgaben des Lebens auf beide Partner. Jeder übernimmt das, was er gut kann und wozu er Lust hat. Dadurch wird der andere Partner entlastet und verlernt auch in gewisser Weise die Fähigkeiten, die er zwar kann, aber selbst nicht mehr ausübt. Wenn nun der Partner gestorben ist, schleicht sich oft die Angst ein, werde ich das, was der andere übernommen hat, auch zusätzlich noch können? Diese Angst ist um so größer, je mehr der zurückbleibende Partner durch den anderen verwöhnt worden ist. Hier müssen wir lernen an die eigene Kompetenz zu glauben. Wir schaffen es. Wir haben die Kraft und die Fähigkeit dazu. Und schließlich ist die Fürsorge und Hilfe des verstorbenen Menschen niemals dazu gedacht, uns zu schwächen und lebensunfähig zu machen, sondern um uns zu fördern und stark zu machen. Der Glaube an die eigenen Kompetenz ist schließlich auch ein Dankeschön für alle Fürsorge, die wir empfangen haben und der nachträgliche Beweis, dass sich der verstorbene Mensch in seiner Liebe zu uns nicht geirrt hat. Fünf Schritte, kleine Schritte – sie alle bringen uns den geliebten Menschen nicht zurück, aber sie helfen uns sein Werk in uns fortzusetzen. Nachdem wir über uns geredet haben, wollen wir nun über den Verstorbenen reden. (Es folgt der Lebenslauf des Verstorbenen mit den biografischen Daten (dem Gedächtnis) gemischt mit den Erinnerungen (den subjektiven Einfärbungen). Abschied Wir haben darüber nachgedacht, wie das Leben ohne den Verstorbenen sinnvoll weitergehen kann. Wir haben im Blick zurück die Schätze, Werkzeuge und Materialien angeschaut, welche der Verstorbene für Sie als Hinterbliebene durch seinen eigenen Lebensweg vorbereitet und hinterlassen hat. Mit gutem Recht kann er erwarten, dass Sie das Beste daraus machen. Jetzt müssen wir Abschied nehmen. Die gebräuchliche universale Formel in den Trauerfeiern heißt dazu so oder ähnlich: Wir sind nun aufgefordert unseren Frieden mit dem Leben und Tod des Verstorbenen zu machen. Eine Alternative dazu gibt es nicht. Während Sie das bei sich selbst bedenken und beschließen, werde ich dem Verstorbenen einen Text aus den Gedichten von Hermann Hesse widmen: Welkes Blatt Jede Blüte will zur Frucht, jeder Morgen Abend werden. Ewiges ist nicht auf Erden, als der Wandel, als die Flucht. Auch der schönste Sommer will Einmal Herbst und Welke spüren. Halte Blatt geduldig still, wenn der Wind dich will entführen. Spiel dein Spiel und wehr dich nicht, lass es still geschehen. Lass vom Winde, der dich bricht, dich nach Hause wehen. Nachdem wir unseren letzten gemeinsamen Weg mit dem Verstorbenen gegangen sind, betten wir nun
NN, geboren am XXX und gestorben am XXX zu seiner letzten Ruhe. Wir wollen nicht klagen, weil wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn - unter uns hatten. Wir wollen ihn nun mit Blumen und Erde zudecken, damit niemand seine Ruhe stört. Ruhe in Frieden |
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