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Geschrieben von Uwe Peters
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Montag, 10. Mai 2010 |
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Seite 3 von 7  Seine Schwester Maria (Marichen) kam wenige Jahre später zur Welt.
Die heile Welt der Mennoniten hatte es auch in den Familien Dyck zu einem gewissen Wohlstand gebracht. Juden hatten sich in Choritza angesiedelt und auch Russen waren gekommen. Die beiderseitigen Großeltern des Verstorbenen waren im Getreidehandel aktiv und als bildungsbeflissene Leute versuchten sie ihre Kinder für Wissen und Bildung zu begeistern, was diese an den Verstorbenen und seine jüngere Schwester weitergaben.
Doch dann passierte das, was unser Thema heute sein muss: Das Leben ist nicht fair! Der Verstorbene erkrankte in seiner Vorschulzeit an einem Tumor, welcher ihm die Speiseröhre zudrückte. Er konnte nichts mehr essen. Die künstliche Ernährung steckte in den Anfängen und die behandelnden Ärzte wussten keinen anderen Rat, als ihn über den Darmausgang zu ernähren.
Endlich bekamen sie diese schreckliche Erkrankung in den Griff und dann machte sich die stalinistische Kollektivierung bemerkbar. Diese Zeit ist in die Geschichtsbücher als Kulaken-sterben eingegangen.
Vater Dyck konnte die Familie nur noch ernähren, wenn er Arbeit auf der Kolchose bekam. Er hatte Glück und bekam Arbeit, etwa 40 km von zu Hause entfernt. Natürlich konnte er nicht regelmäßig zu Hause sein.
Zu den etwa 1,5 Millionen Menschen in der Sowjetunion, die durch die große Säuberung in den Jahren 1936 – 1938 umgebracht wurden, gehörte auch der Vater des Verstorbenen. Nachts wurden die Häuser gestürmt und die Verhaftungen vorgenommen. Vater Dyck war nicht da. Er arbeitete auf der Kolchose. Er kam nie wieder.
Die Mutter war schon erkrankt und musste nun die Kinder alleine durchbringen. Alle Männer und auch alle Familienväter waren aus Choritza verschwunden. Die Frauen, die selber mit ihren Kindern ums Überleben kämpften, taten sich zusammen und von Tag zu Tag wurde eine andere Frau ausgeguckt, die der kranken Mutter Dyck und ihren beiden Kinder Mittag brachte. Manchmal wurde das vergessen…
In allen diesen Elendsjahren war und blieb der Verstorbene ein Superschüler. Er war ein heller Kopf und sehr klug. Durch seine überstandene Speiseröhrenerkrankung war er nicht der stärkste Junge geworden und auch kein Draufgängermodell. Seine kleinere Schwester entwickelte stattdessen Wesenszüge und hat sich oft auf seine Seite geschlagen.
1943 hatte die deutsche Front Choritza überrollt und die „Volksdeutschen“, wie es damals hieß, waren zwangsweise Deutsche mit einem russischen Pass. Der Verstorbene wurde nach seinem Schulabschluss von der NAPOLA in Kiew übernommen, weil er Lehrer werden wollte. Das waren Internatsoberschulen die zur Hochschulreife führten.
Nach dem Rückzug der Front wurde seine Schule nach Lemberg verlegt. Doch mit Schule wurde nicht mehr viel draus, denn die Jungen wurden in Uniformen gesteckt und mussten den Ostwall bauen. 1944 wurde er dem Sicherheitsdienst (SD) des Reiches unterstellt.
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Letzte Aktualisierung ( Montag, 10. Mai 2010 )
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