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Geschrieben von Uwe Peters   
Montag, 10. Mai 2010
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Heinrich Dyck
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In Wittenberge kam er in US-Gefangenschaft und weil er noch so jung war, konnte er das Lager tagsüber verlassen. Eines Nachts blieb er bei seinen Freunden. Als er am nächsten Tag ins Lager kam, war es leer. Die Amerikaner hatten sich zurückgezogen und Wittenberge den Russen überlassen.

Die Russen nahmen ihn gefangen und machten ihm den Prozess als Sowjetbürger mit russischem Pass in deutscher Uniform. Die Todesstrafe war eine Minutensache. Er kam in die Todeszelle und erlebte 2 Jahre lang die Folter in allen Schattierungen. Dazu gehörten auch Scheinerschießungen mit dem Trommelrevolver an seiner Schläfe, und er erlebte, wie alle anderen aus seiner Gruppe erschossen wurden. Bei ihm hatte ein russischer Jurist herausgefunden, dass das Urteil ungültig war, denn er war noch keine 18.

Es wurde neu verhandelt mit dem revidierten Urteil: 25 Jahre Straflager in Sibirien.

Er wurde nach Workuta verfrachtet, im Zentrum des riesigen Kohlebeckens nördlich des Polarkreises. Alleine 4000 deutsche Häftlinge arbeiteten dort unter Tage. Auch der Verstorbene.

Nach Stalins Tod kam es am 30. Juni 1953 zum ersten Streik in einem der Kohleschächte. Innerhalb von 4 Wochen streiken 15 604 Gefangene. Der Verstorbene mittendrin.

Nach vielen Toten gab es neue Verhandlungen mit der Regierung. Die elenden Verhältnisse besserten sich.
1956 holte Adenauer die letzten deutschen Gefangenen zurück nach Deutschland. Dabei ist auch Hein Dyck, wie er überall genannt wird.
Ein Kollege in Workuta gab ihm eine deutsche Adresse, die er angeben konnte. Dorthin schrieb er. Die Deutschen gaben seinen Namen an das DRK. Das DRK gab seinen Namen an die Regierung weiter. So kam er in den Heimattransport nach Deutschland.

Das Lager Friedland vermittelte ihn nach Bochum zur Arbeit in die Kohlenzechen. Aber das wollte er nun doch nicht mehr. Damit hatte er seine Jugendjahre verbracht und verarbeitet.

Ein Bekannter erzählte ihm von der Seefahrt und von der Fischerei und davon, dass in Bremerhaven in der Fischerei Arbeit für ihn wäre. In der Zeit von 1957 bis 1967 ist er als Fischwerker zur See gefahren und zuletzt als Netzmacher.

Ein Unfall an Bord brach ihm ein Bein und er beschloss weiterhin an Land zu arbeiten. Im Fischereihafen arbeitete er alle anfallende Arbeit ab, als Löscher, als Fischverarbeiter, als Gabelstaplerfahrer und als Expedient. 1995 ging er in den wohlverdienten Ruhestand.

Seine Mutter war 1942 verstorben. Er war gerade 14 Jahre alt. Seinen Vater hatte er schon als Zehnjähriger verloren. Wer sollte ihm beibringen, wie man Beziehungen zu Frauen aufbaut? Die russischen Kohleflöze? Von alleine lernt man so etwas nicht.


Letzte Aktualisierung ( Montag, 10. Mai 2010 )
 
 
 
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