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Geschrieben von Uwe Peters
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Montag, 30. April 2007 |
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 In Rendsburg machte Otto alles. Otto kam für alles auf. Otto blieb die Stütze ihres Lebens.
Die Entwicklung in der Gemeinde sah sie mit Skepsis und Enttäuschung. Der härteste Schlag für sie war die Auflösung des von ihr so geliebten Chores. Sie sang doch so gerne zum Lobpreis des Herrn.
Weiterhin begriff sie, daß entscheidende Aussagen in den theologischen Bezügen der Gemeinde der Vergänglichkeit unterworfen waren und sie gut daran tat, das Gruppenerlebnis zu genießen, aber die theologischen Aussagen nicht mehr ernst zu nehmen, wie damals in der Zeit ihrer großen Frage nach einer Wiederverheiratung. Ganz sicher hat auch mein Werdegang dazu beigetragen.
Dennoch blieb sie eine Suchende. Berge von Kassetten mit Predigten fanden sich in ihrem Nachlaß. Erst in der Ruhe ihres Wohnzimmers konnte sie im Nachhinein erleben und in dieser Nachbereitung wurden ihre Erlebnisse fest und schön. Im Erleben selbst nahm sie nur das Material der Situation in sich auf. Zum Erlebnis wurde alles erst in der Nachbereitung in der Sichtung ihrer unendlich vielen Fotos und im Anhören der Kassetten.
Ich muß bekennen, daß die zweite Lebenshälfte ihres Lebens fast vollkommen spurlos an mir vorbei gegangen ist. Es tut mir leid für sie und es tut mir leid für mich. Dennoch folge ich dem, was Erich Fried so treffend gesagt hat:
„Es ist, was es ist.“
Mit meiner Mutter habe ich mich auf ihrem Totenbett endgültig versöhnt. Und bei ihrem letzten Besuch in diesem Hause schimmerte von ihrer Seite auch etwas durch, was nach Versöhnung klang.
Anfang Januar hatten wir unser letztes telefonisches Gespräch miteinander. Dabei wurde Versöhnung sichtbar; denn sie sprach erstmalig mit mir über ihren Tod. Sie wurde sich ihrer Nähe zum Tod bewußt und legte alles völlig offen in meine Hände.
Ich habe lange an diesem Text geschrieben und alle Formulierungen sorgfältig erwägt. Deshalb glaube ich, mit diesem Text ihrem Leben und unserer Beziehung optimal gerecht geworden zu sein.
Und ich bekenne abschließend:
Es ist alles in Ordnung mit ihrem Leben und ihrem Tod.
Musik: Summer Dream
Wir gehen jetzt gemeinsam zum Friedhof und wollen dort unsere Oma selbst begraben.
Nachdem wir unsern letzten gemeinsamen Weg mit Ruth Peters, geb. am 27.09.1919 und gestorben am 03.02.1999, gegangen sind, wollen wir sie zu ihrer letzten Ruhe betten und mit Blumen und Erde zudecken, damit niemand ihre Ruhe stört.
Ihrem Leben entsprechend ist es nicht angebracht, ein Vaterunser zu sprechen. Sie hat das nie gelernt und nie gekonnt. Ich möchte ihr ein Gebet der Urgemeinde widmen, welches ihren Leben und Glauben viel näher kommt:Gebet der Urgemeinde
Herr, Du bist der Erste. Du bist der Letzte. In Dir beginnt und in Dir endet alles. Du bist der Ursprung und gleichzeitig das Ziel aller Dinge. Du überdauerst alle Welten, und bevor es eine Welt gab, warst Du schon.
Für Dich war kein Raum auf der ganzen Erde, doch eine Krippe wurde für Dich groß genug, und immer noch kann das ganze Weltall Dich nicht fassen, doch gleichzeitig vermag schon ein Kind Dich in sein Herz aufzunehmen.
Als Fürst des Lebens hast Du den Tod erduldet und dabei den Tod überwunden. Du bist der Allgegenwärtige und als der Zukünftige wirst Du bald kommen und alles erneuern.
Du sprengst alle menschlichen Begriffe und Vorstellungen. Alle menschlichen Maßstäbe versagen vor Dir. Der weiseste Mensch muß sich vor Dir wie ein Tor vorkommen, doch selbst der größte Tor darf sich Deiner Weisheit und Gnade rühmen. Unfaßbar bist Du in Deiner Erniedrigung, unfaßbar in Deiner Allmacht und Herrlichkeit. Alle Schätze dieser Welt erscheinen vor dem Glanz Deiner Herrlichkeit wie Unrat, alle Gedankengebilde der Menschen vor Deinem Wort wie sinnloses Stammeln.
Wer könnte Dein Wesen in Worte kleiden, wer die Empfindungen Deiner Gegenwart aussprechen? Wen Du gerufen hast, der kann sich von Dir nicht mehr abwenden; wen Du angerührt hast, der kommt von Dir nicht mehr los.
Unbegreifliche Gnade, Dir zu gehören – unbeschreibliches Glück, Dein eigen zu sein.
Ruhe in Frieden
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Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 20. April 2010 )
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