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Geschrieben von Uwe Peters   
Montag, 10. Mai 2010
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Ludwig Robl
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Seite 6

Diese Trennung der Menschen in zwei Klassen finden wir schon im Neuen Testament, im Lukas 18, 9-14:
Ein Pharisäer und ein Zöllner gehen in den Tempel um zu beten. Der Pharisäer dankt Gott dafür, dass er ein Pharisäer ist und vorbildlich lebt mit regelmäßigem Fasten und Steuern zahlen. Der Grund für seinen Dank ist weiterhin, dass er nicht so lebt wie die Räuber, Ehebrecher oder eben der Zöllner.

Zwei Betrachtungsweisen haben unsere Bevölkerung geprägt: Die christliche Betrachtungsweise mit ihren moralischen Forderungen und die eher wissenschaftliche Betrachtungsweise mit ihren denkerischen Forderungen geht immer von einem ideal gedachten Menschen aus, den es in Wirklichkeit so kaum gibt.

Erst in der produktiven Ruhe der Nachkriegszeit nach dem 2. Weltkrieg war es möglich, dass sich neue Ansätze entwickeln konnten.

Der Portugiese Antonie Damasio veröffentlichte 1994 sein bahnbrechendes Werk: Descartes Irrtum – Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn und im Jahr 2000 die Entschlüsselung des Bewusstseins.

Diese neuen Erkenntnisse hat dann Michael Schmidt-Salomon in seinem Werk: Jenseits von Gut und Böse, mit der frohen Botschaft für nackte Affen für den täglichen Gebrauch umgesetzt.

Was bedeutet das alles für unsere Abschiedsfeier für Ludwig Robl?

- Es bedeutet, dass wir uns abgekehrt haben von den zwei Klassen der Menschen. Für uns ist es selbstverständlich, dass der Verstorbene ein vollwertiger Mensch der Menschenfamilie war.

- Es bedeutet dass die Solidargemeinschaft in unserem Staat den einen unterstützt, weil er arbeitslos geworden ist und den anderen, weil er nach einer Herzoperation zur Reha muss. Es bedeutet das wir für den einen einen Arbeitsplatz schaffen, wo er sitzen kann und für den anderen, wo er immer draußen sein kann. Der eine arbeitet auf dem Bau und der andere in einer besonderen Werkstatt.
- Es bedeutet, dass man mit dem Papst nicht über den Zölibat diskutieren kann und sicherlich konnte man mit Ludwig Robl nicht über die Berechtigung deutscher Soldaten in Afghanistan diskutieren. Mit mir kann man nicht über die Vorzüge des Jever-Pils-Bieres reden. Ich verstehe davon nichts.

- Ich habe einen guten Bekannten, der läuft nur im Anzug herum und einen anderen, der hat gar keinen Anzug.

Wenn es uns gelingt diese denkerischen Spinnereien, welche uns als die Höchstleistung des Denkens angepriesen werden, als des Kaisers neue Kleider in Andersens Märchen zu erkennen und zu entlarven, dann werden wir mit allen Menschen vernünftig umgehen und alle Menschen als wertvolle Bereicherung unserer menschlichen Gesellschaft anerkennen und schätzen.
Aber solange wir noch diese geistigen Spinnereien in unserem Kopf herumtragen, wird die Solidarität mit den anderen Menschen nur Heuchelei und Schauspiel, welches sehr genau gefühlt wird und den menschlichen Kontakt miteinander bis auf den Grund vergiftet.

Ludwig Robl war ein Mensch wie Du und Ich, wie jeder andere von uns. Diese Wirklichkeit bedarf nur dann einer besonderen Betonung, wenn die Bevölkerung von dem geistigen Virus befallen ist, dass es zwei Sorten von Menschen gibt. In einem geistig gesunden Volk ist es selbstverständlich, dass der eine diese Qualitäten hat und der andere jene und dass ein Mensch niemals alles kann und alles weiß.


Letzte Aktualisierung ( Montag, 10. Mai 2010 )
 
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