|
Seite 4 von 7 Jetzt halte ich mir selbst diese Predigt. Hannelore und ich habe oft darüber gesprochen, dass uns niemand unsere Bedeutungshoheit abnehmen kann. Und in den täglichen freundlichen und ärgerlichen Erlebnissen haben wir genau dieses Thema immer wieder behandelt und praktiziert. Dabei sind wir souverän geworden und unabhängig. Wir haben nach Friedemann Schulz von Thun vier Möglichkeiten, eine Botschaft einzustufen. Das ist unsere Freiheit und Souveränität. Das ist unser Sieg über den Tod. Wir haben in den freundlichen Erlebnissen das Gegenteil gesucht und gefunden und wir haben in den ärgerlichen und schmerzlichen Erlebnissen das Licht und die Freundlichkeit gefunden. Diese Freiheit gilt auch an ihrem Sarg und überwindet ihren Tod, denn darüber waren wir uns immer einig, dass Leben immer Vorrang haben muss!, und wir die Dinge so zu deuten haben, dass der Vorrang des Lebens sich immer und überall durchsetzen kann. Musik: Dat du min Leevste büst... Teil 2: Würdigung der Verstorbenen Wir wollen nun gemeinsam das Leben der Verstorbenen würdigen. Dabei muss klar sein, dass wir die Fülle ihres Lebens nicht ausschöpfen können und ganz viel ungesagt bleiben muss. Außerdem bin ich als Ihr Ehemann sehr befangen und sehe die Dinge aus meiner sehr subjektiven Sicht. Aber vielleicht kann uns das auch etwas helfen. Die einmalige und unwiederholbare Geschichte meiner Hannelore begann am 20.10.1949 in Bremerhaven im Krankenhaus. An diesem längst vergangenen Tag tat dort Hannelore Auguste Himme ihren ersten dünnen und schwachen Schrei. Als winzig kleine Frühgeburt verbrachte sie ihre ersten Tage im Brutkasten. Ihre beiden alt gewordenen Eltern Ilse und Günter Himme trauern um ihr einziges Kind. In der Innstraße wuchs sie auf in den sehr beengten Verhältnissen des Siedlungshauses, welches ich auch noch kennen lernen konnte. Die Großmutter wohnte unten und versorgte die „kleine freche Himme“, so wurde sie in der Straße genannt und in späteren Jahre zog auch ihre Cousine Margrit zu ihnen. Margrit war das liebe nette kleine Mädchen, welches auch für die Nachbarschaft gerne dies oder jene Besorgung machte. Vater und Mutter konnten unter diesem Unständen arbeiten und für den wirtschaftlichen Aufbau der kleinen Familie sorgen. Eine ganz wesentliche Rolle in ihrer Kindheit spielte die auch verstorbene Christa Wulf. Wenn Mutter Ilse zur Arbeit war, ging sie oft rüber zu Christa Wulf. Sie blieb ihre Beichtmutter und Vertraute bis weit in ihre Ehezeit hinein. Gegen Ende ihrer Schulzeit zog die Familie um in das neugebaute Siedlungshaus an der Altmühlstraße. Nach ihrer Schulzeit machte sie eine Ausbildung zur Arzthelferin bei Dr. med. Steinberg. Als diese plötzlich starb, beendete sie ihre Ausbildung bei Dr. med. Ritter in der Tiroler Straße. Von dort ging sie zu Dr. med. J. Götze, dem Facharzt für Chirurgie und Orthopädie. Er war Durchgangsarzt und hatte deshalb viele Erstversorgungen durchzuführen. Es war eine aufregende und sehr anstrengende Zeit für sie, bei der sie unendlich viel gelernt hat. Ihre Hilfe bei chirurgischen Arbeiten waren so erstaunlich, dass Dr. Krenz mir diesem Punkt in unserem Gespräch besonders hervor hob.
|