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Geschrieben von Uwe Peters   
Mittwoch, 25. April 2007
Beitragsinhalt
Hannelore Temps
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Seite 7
 

Aus den sehr schwierigen Anfängen entwickelte sich zwischen uns eine „Traumpartnerschaft“ in unserem „Traumhaus“ mit vielen „Träumen“ für die gemeinsame Zukunft und vielen ausgefallenen Ideen.

Wir waren unzertrennlich und sie griff sehr kreativ und überaus aktiv auch mir in meiner Arbeit unter die Arme.

Wir planten eine Reihe von Projekten, von denen sich einige verwirklichten, wie z.B. Specksteinschneiden, selbst Flur und Bad kacheln nach selbst erdachten Mustern, meine Hochzeiten mit Musik und Dekoration versehen, usw..

Die finanziellen Möglichkeiten ließen es nicht zu, dass wir heiraten konnten. Das war ihr größter Wunsch.

Wir haben oft darüber gesprochen, dass das Andenken an einen Toten niemals den kraftvollen Lebensvollzug und die Neugestaltung des Lebens behindern darf, und das die Neugestaltung eines Lebens dieses Andenken und die Würde des Verstorbenen in keiner Weise einschränkt oder schmälert.

Wir haben auch oft darüber gesprochen, dass die Hochzeiten, die ich durchführe, genau so wie die kirchlichen Hochzeiten keine juristischen Hochzeiten sind, sondern soziale. Auch haben wir thematisiert, dass die sozialen Hochzeiten die ursprünglicheren und wichtigeren Hochzeiten sind; denn die Juristerei muss sich dem sozialen Gefüge eines Volkes anpassen und tut es auch im Nachhinein. Umgekehrt funktioniert das nicht.

Wir haben alles und jedes angesprochen und thematisiert. Begierig griff sie meine Welt, die für sie völlig neu war, auf und verarbeitete das.

Wir tanzten Hand in Hand durch die Jahre. Auch wenn wir in 14 Nächten insgesamt um die 15 000 Schnecken aufsammelten und vernichteten, oder wenn wir uns von Emden ein eigenes kleines billiges Motorboot auf eigenen Kiel hierher holten, oder wenn wir mit unserm Freund Benno und seinem Boot bis Friedrichstadt , Rendsburg, Kiel und Schleswig kamen.

Sie entwickelte die Technik der Kerzenbeschriftung und dekorierte die Schiffe bei den Seebestattungen, wir entwickelten eine eigene Seebestattungsflagge und dekorierten über ein Jahr lang das Schaufenster eines Bestatters in Lehe.

Wir zogen über die Flohmärkte und sammelten afrikanische und andere Masken.

Es war ein Leben wir im Traum und einer konnte ohne den anderen nicht sein. Es war der schönste Traum, den wir beide jemals erlebt haben.

Ende Februar fingen ihre Schmerzen im Bauch an. Anfang April stand die Diagnose fest: Sie hatte Blasenkrebs. Am 14.04. wurde sie operiert und das Ausmaß des Tumors sichtbar. Es gab keine Hilfe mehr für sie.

In der Nacht zum 16. Mai war ich die ganze Nacht bei ihr. Nach den Morphiumgaben konnte sie endlich schmerzfrei schlafen.

Um 5:30 Uhr wurde sie wach und freute sich, dass sie so gut geschlafen hatte. Und sie erzählte mir freudestrahlend ihren Traum:

Wir wären mit dem Kartoffelschiff auf der Weser unterwegs und würden von den Kapitän Klaus Sunkimat getraut werden.

Diesen Traum hatte sie im Beginn ihrer akuten Krankheitsphase schon mal gehabt. Und wir haben beide davon geträumt, ihn zu realisieren.

Ihr Zustand war bedenklich und ich holte die Kinder.

Ich nutzte die Gelegenheit und versprach ihr die Ehe. Sie strahlte und versprach mir die Ehe. Und dann lächelte sie zum letzten Mal mit ihrem ausgezehrten Gesicht und wir drückten und küssten uns.

Die Kinder fuhren nach Hause und ich blieb bei ihr. Gegen 7:30 Uhr flüsterte sie noch einmal deutlich vernehmbar: „Ich schaffe es!“

Und sie hat es bis zum Schluss geschafft, ihren Traum durchzuhalten.

Dann atmete sie nur im abgehakten Rhythmus wie eine Lokomotive. Um genau 8:00 Uhr tat sie in meinen Armen ihren letzten leise gewordenen Atemzug.

Sie ist dort, wo es kein Leid gibt.



Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 20. April 2010 )
 
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