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Geschrieben von Uwe Peters   
Freitag, 11. April 2003
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Elsa Utech
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Und die Menschen sind wieder an dem selben Punkt angekommen, an dem früher die von Gott Enttäuschten ankamen. Sie merken - wie Grönemeyer in unserem Text - auch das Leben ist nicht fair. Jeder Mensch, der ausserhalb von sich selbst Fairness oder Sinn für sein Leben sucht, muss enttäuscht werden. Der große Psychologe und Philosoph V. Frankl - ein Österreicher und Jude - ist einen ganz anderen Weg gegangen. Er schrieb: “Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.” Er weiß, dass Gott nicht fair ist, denn er hat als Jugendlicher seine ganze Familie im KZ verloren. Er weiß aber als Psychotherapeut auch, dass das Leben nicht fair ist. Deshalb hat er nach einem anderen Weg gesucht, um sein Leben erträglich zu machen. Unser Text spricht davon.

Es gibt nämlich eine andere Tradition des Denkens, um Sinn für sein Leben zu erfahren. Es ist die Auffassung, dass jeder Mensch ganz alleine für sich selbst den Sinn seines Lebens suchen muss und ihn auch in sich selbst finden kann.

Viktor E. Frankl ist ein führender Vertreter dieser neuen Denkrichtung.

Er hat das herausgearbeitet, was wir die tagtäglich praktizieren und uns meistens gar nichts dabei denken. Nämlich dass unsere schwermütige Verstimmtheit und unsere positive Gestimmtheit den vielen Ereignissen, die wir tagtäglich erleben, ihre Bedeutung gibt.

Stehen wir morgens ausgeruht und frisch aus unserem Bett auf, wird z.B. die Beule an unserem Auto zu einem Ereignis, welches wir regeln müssen. Stehen wir aber mit Kopfschmerzen, übermüdet und schlapp morgens aus unserem Bett auf, wird dieselbe Beule an unserem Auto zu einer Sache, die uns zusätzlich niederdrückt, ärgerlich und schwermütig macht und zu einer Beinahe-Katastrophe in unserm Leben wird. Es ist dieselbe Beule am Auto - einmal ist es eine zwar ärgerliche - aber doch nur eine Kleinigkeit, die wir regeln müssen. Ein anderes Mal ist es eine schlimme Sache, die wir nur mit Mühe und möglichst mit vielen Aufschüben klar bekommen. In unserer Trauerfeier geht es nicht um eine Beule am Auto, sondern um den Tod eines Menschen, dem Sie Ihre Existenz verdanken und der Sie entscheidend auf Ihr Leben vorbereitet hat. Natürlich hat der Tod der Verstorbenen eine völlig andere Qualität. Dennoch ist die Methode, so einen endgültigen Verlust und Abschied zu bewältigen, die gleiche. Wir Menschen haben keine andere Möglichkeit zur Verfügung, als unsere Einstellung zu den Dingen zu bestimmen. Wir können ja die Dinge selbst nicht verändern.

Und gerade Viktor Frankl, der im KZ seine ganze Familie verloren hat und unsagbar großes Leid erlebt hat, ist berechtigt, diese alltägliche Bewältigung unseres Alltags auch auf das schwerste Leid, den Verlust durch Tod, anzuwenden. Es ist die letzte und damit die entscheidende menschliche Freiheit, die wir zur Verfügung haben. Diese Freiheit triumphiert auch dann, wenn Gott, die Natur, das Leben und wer sonst noch immer - uns gegenüber sehr unfair sind. Mit Hilfe dieser unserer Freiheit überwinden wir auch das Leid dieses Todes. Und diese Freiheit darf uns niemand streitig machen.

Wie sieht das ganz praktisch aus?

- Wenn jemand seine Einstellung so wählt, dass er alles das, was mit Verlust, Tod und Trauer zu tun hat, ganz schnell auf die Seite schiebt, verdrängt und möglichst nicht zur Kenntnis nehmen will, dann benutzt er seine Entscheidungsfreiheit dazu, um länger zu leiden und um vielleicht niemals mit dem Verlust fertig zu werden.

- Wenn jemand seine Einstellung jedoch so wählt, dass er weniger leiden und weinen will, dann wird er konzentriert trauern, sich umfassend erinnern und versuchen, seine Erinnerung so zu strukturieren, dass ihm die Erinnerung zur Dankbarkeit wird.

“Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.”



Letzte Aktualisierung ( Montag, 10. Mai 2010 )
 
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