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Teil 2: Würdigung der Verstorbenen Wollen wir jetzt einen Versuch der Erinnerung gemeinsam und miteinander wagen: Diese einmalige und unwiederholbare Geschichte der Verstorbenen begann am 11.02.1921 in Geestemünde. An diesem längst vergangenen Tag tat dort Elsa Elisabeth Tatje Blum ihren ersten Schrei. Mit ihrem älteren Bruder Heinz und ihrem jüngeren Bruder Harm, wuchs sie zunächst in Geestemünde auch auf. Heinz ist bereits verstorben und Harm trauert um seine ältere Schwester. Umständehalber verbrachte sie einen Teil ihrer Schulzeit in Ostpreußen, in der Nähe von Elbing bei ihrer Großmutter, der Mutter ihrer Mutter. Sie beendete jedoch in Wesermünde ihre Schulzeit und suchte sich Arbeit als Hausgehilfin. Der Reichsarbeitsdienst holte die Mädchen ins Pflichtjahr und dieses verbrachte sie in Habigshorst als Hausgehilfin. Dort lernte sie ihre erste große Liebe kennen, einen schneidigen Soldaten, Heinz Weber. Doch bald musste er wieder raus an die Front und die Umstände des schrecklichen Krieges ließen es nicht zu, dass sich diese Liebe in einer dauerhaften Beziehung erfüllen konnte. Im Jahr 1940 wurde die nun um die Mutter trauernde Tochter Rita geboren. Sie ging zur Post und arbeitete auf dem Postamt 1, also der Hauptpost, als Briefsortiererin und auch als Zustellerin. Und wieder schien ein Glücksstrahl über ihrem Leben aufzugehen. In dem Matrosen der Kriegsmarine Hans Utech fand sie jenen Mann, den sie über alles liebte, der ihres Vertrauens würdig war und in dessen Familie sie sich auch gut aufgehoben fühlte. Am 19. März 1943 haben die Liebenden in Geesternünde geheiratet. Doch am 03. Oktober 1943 war schon fast alles wieder vorbei. Ihr Hans ist in Holland gefallen. Fast alles war vorbei; denn sie hatte dafür gesorgt, dass sie etwas Bleibendes von ihrem Hans behalten konnte. Sie war schwanger und im April 1944 wurde ihre Tochter Monika geboren. Ich weiß aus meiner Kindheit und den Erzählungen meiner Mutter, was mir später unzählige Male bestätigt wurde, dass viele Frauen diesen Weg gegangen sind. In diesem menschenmordenden Krieg wussten sie nie, ob ihr Mann wieder nach Hause kommt. Und dann setzten sie alles dran, um schwanger zu werden. "Wenn er nicht wieder kommt, habe ich ein Andenken an ihn" , war die Meinung vieler junger Frauen damals. Im Juni 1944 wurde Bremerhaven erstmalig von den alliierten Bombern angegriffen. Die junge Mutter wollte sich mit ihrer Monika bei den Schwiegereltern in Castrop-Rauxel in größere Sicherheit bringen. Doch dort bekam ihre Monika eine doppelte Lungenentzündung und eine Mittelohrvereiterung und starb ihr am 09.09.1944 unter den Händen weg. Sie war in der Familie gut aufgenommen worden und ihr Hans war der kurze und helle Glücksstern ihres Lebens gewesen. Warum sollte sie ablehnen, als sich der Bruder von Hans, Heinrich Utech, überall nur als Heinz bekannt, um sie bemühte? Als Heinz in Gotenhafen als Verwundeter auf einem Lazarettschiff lag, besuchte sie ihn im Januar 1945. Beim Naherrücken der russischen Front war eine Heimkehr über Land nicht mehr möglich. Sie hatte einen Platz auf der Wilhelm Gustloff bekommen und sollte am 30. Januar 1945 mit der Gustloff auslaufen. Alle Koffer hatte sie schon an Bord und wollte nur noch schnell ihren Heinz Auf Wiedersehen sagen. Da lief die Gustloff vorzeitig aus. Die Gustloff wurde versenkt durch ein russisches U-Boot und mit dem Schiff gingen 8 800 Menschen allen Alters unter. Etwa 1200 konnten gerettet werden. Der Untergang der Gustloff ist die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten bisher gewesen und wird von allen infrage kommenden Medien hartnäckig verschwiegen. Mit dem Lazarettschiff ihres Heinz kam sie nach Dänemark und arbeitete dort für kurze Zeit in einem Kinderheim. In diesem Kinderheim wurden die fast verhungerten Kinder durch ein unsinniges reichliches Nahrungsangebot zu Tode gepflegt. Sie flüchtete sich auf die Insel Amrum und ein Fischer nahm sie von dort nach Cuxhaven mit. Unterwegs besorgte sie sich unter schwierigsten Umständen einen Tornister für ihre Rita, die ja nun bald zur Schule musste. Mit einem Wehrmachtsauto kam sie endlich heil in Wesermünde wieder an.
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