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Gobru Toclu

 Name  Toclu  sample image  
 Vorname  Gobru  
 Geboren    
     
 Geboren  04.11. 1927  
 Gestorben  07.04.2010  
     
 Ort  Langen  
 Friedhof  Friedhof Langen  
 Datum  12.04.2010  
     
 Redner    
 Bestatter  Bestattungshaus Berghorn  
 Homepage    

Liebe Frau Otto,
liebe Angehörige und Freunde
des verstorbenen

Gobru Toclu

Wir wollen in dieser Trauerfeier von dem Verstorbenen Abschied nehmen und seiner noch einmal gemeinsam würdigend gedenken.

Teil 1: Hilfe für die Hinterbliebenen

Die Seestadt Bremerhaven hat durch den Schiffsverkehr mit der ganzen Welt immer auch Kontakte mit den Menschen aus allen Ländern unseres Globus. Dabei spielt die Stadtgrenze überhaupt keine Rolle und wie wir an dem Verstorbenen sehen, ist Langen in dieser Beziehung so gut wie Bremerhaven und umgekehrt. Daraus erwächst uns die Verpflichtung, dass wir uns auch mit den prägenden Lebensumständen der uns zugereisten Menschen etwa näher beschäftigen.

Gobru Toclu ist am 04.11.1927 in Gura`e Äthiopien geboren.

Heute gehört Gura`e zu dem 1991 gegründeten Staat Eritrea. Eritrea gehörte seit 500 vor Christus zum Reich von Aksum, dem Kernland Äthiopiens wird begrenzt vom Roten Meer. Gura`e ist eine Hafenstadt und wurde als Hafen von den Italienern vor über 100 Jahren ausgebaut.

Die prägende Kindheit des Verstorbenen wurde von verschiedenen Einflüssen bestimmt. Da ist zunächst seine Herkunftsfamilie.

Seine Eltern waren sehr erfolgreiche Kaufleute mit engen und guten Beziehungen zum kaiserlichen Hof, der bis 1930 von der Kaiserin Zauditu regiert wurde. Ihr Nachfolger wurde der junge, dynamische „Negus Negest“ (König der Könige) Haile Selassie I.

Möglicherweise hat der Verstorbene noch bei Haile Selassie auf dem Schoß gesessen; denn die Familien waren befreundet sehr vertraut miteinander.

Eine ältere und eine jüngere Schwester begleiteten ihn durch Kindheit und Jugend.

Schon frühzeitig wurden die Kinder durch Kinderfrauen versorgt und erzogen. So war es für den Verstorbenen unproblematisch, dass er in Kairo und in Italien Erziehung und Ausbildung in verschiedenen Internaten erfuhr.
Nach seiner sorgfältigen Ausbildung mit einem Schulabschluss der unserem Abitur vergleichbar ist, kehrte er nach Hause zurück. Die Eltern waren verstorben und die ältere Schwester hatte die Verantwortung für das Familienerbe übernommen. Das war völlig unproblematisch verlaufen, denn die ersten Kinderjahre hatten die Geschwister doch unter einer Kaiserin verbracht. Frauen in führenden Positionen war also nichts Ungewöhnliches dort.
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Der Verstorbene orientierte sich aber an dem neuen Negus Negest (König der Könige) Haile Selassie I. und muckte auf.

Der Haile Selassie I. war ein kluger Mann und wusste Traditionen und Mythologien geschickt für sich zu nutzen. Er tat das, was seine kaiserlichen Vorfahren schon immer getan hatten und leitete seine Briefe und Anweisungen mit folgenden Worten ein: „Der Auserwählte Gottes und der siegreiche Löwe aus Juda …“

Die äthiopische Legende, die besonders von der christlichen (koptischen) Kirche aufrecht erhalten wird, behauptet, dass die Königin von Saba in der Zeit um 1000 vor Christus den jüdischen König Salomo besuchte und von ihm schwanger wurde. Ihren Sohn nannte sie Menekik. Dieser Menelik wurde 975 vor Christus erster Herrscher von Äthiopien. Von diesem Menelik I. stammen alle Könige und Kaiser Äthiopiens ab. Deshalb nannte sich Haile Selassie selbstverständlich wie seine Vorgänger der Löwe aus Juda!

Als dann 1000 Jahre später das Christentum aufkam, gab es drei christliche Zentren: Alexandria in Ägypten, Byzanz (heute Istanbul) und Rom. Die Gelehrtentradition in Rom beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit Machtfragen. Die Gelehrten in Byzanz beschäftigten sich überwiegend mit Fragen der Sprache (Logostheorien) und die gelehrten in Ägypten beschäftigten sich mit der Herkunft des Christentums, also mit Israel-Juda. Als es 451 zur ersten Kirchenspaltung kam, haben die Alexandriner einen eigenen Papst gewählt (heute: Shenouda III) und als es später zum Streit mit den Byzantinern kam, spalteten die sich auch ab mit ihrem eigenen Papst, der gleichberechtigt mit dem alexandriner und dem römischen Papst in der Kirchenhierarchie ist.

Ich wiederhole: Es gibt aktuell drei gleichberechtigte Päpste in der herkömmlichen Christenheit.

Die Alexandriner entwickelten das, was wir heute unter Koptische Christen verstehen. Sie haben die engsten Bindungen an Israel und beherbergen in ihren Kirchen und Klöstern mehrere Bundesladen. Die originale Bundeslade ist ein hölzener Kasten; den Mose in der Wüste erbauen ließ und in dem die steinernen Tafeln mit den zehn Geboten aufbewahrt werden. In Israel gingen sie mit der Zerstörung des ersten Tempels verloren, aber in einzelnen koptischen Klöstern soll sie streng bewacht noch heute vorhanden sein.
Die Kopten waren nie staatstragende Mehrheit und deshalb gab es bei ihnen niemals eine Judenverfolgung.

Genau das, was Sie jetzt denken und fühlen, hat der Verstorbene ebenso gedacht und gefühlt. Bloß weg aus diesen erstickenden religiösen Traditionen, die besonders von seiner älteren Schwester durchgesetzt wurde.

Er heuerte auf einen Schiff nach Italien an und kam mit einem anderen Schiff am 06. 09.1953 nach Bremerhaven.
In der Bundesrepublik bemühte er sich erfolgreich um Arbeit und Ausbildung, so dass er 1960 als Ing. Assistent bei dem berühmten Auflieger (Schiff außer Dienst) MS „Arosa Sun“ seinen Dienst tat. Diese Zeit war für ihn besonders wichtig; denn sein Schiff war ohne Landanschluss und deshalb erbat er sich die Benutzung der Sozialräume der Firma Becker-Einkauf, selbstverständlich nach Feierabend. Der zuständige Ansprechpartner war ein Herr Adolf Otto.

Natürlich ergaben sich Gespräche und nähere Kontakte. Der Verstorbene war ein gebildeter Mann mit Herz und wurde schnell ein besonders guter Freund den beiden Otto-Söhnen Hans-Joachim und Holger.

In dieser Zeit vertiefte sich auch die Freundschaft mit der Familie des RA und Notars Dr. Henning Hübner. Diese Freundschaft wurde so eng, dass er mir als vierter Sohn Hübners bezeichnet wurde.

Ein Sprichwort sagt, dass wir immer dort zu Hause sind, wo Menschen sind, die uns lieben und die wir lieben.

Mit Hilfe seiner Freunde gelang ihm der Start in den Betrieb Nordischer Maschinenbau Rudolf Baader GmbH.

Dort bekam er die Chance einer weiteren speziellen Ausbildung für die Schlacht- und Verpackungsmaschinen und weil er so gut war, wurde seine Lehrzeit verkürzt und er von seinem Ausbildungsbetrieb in Lübeck nach Bremerhaven versetzt.

In Langen bei der Familie Benz bekam er eine Wohnung und hatte sich auch eine Partnerin gesucht.

1970 verunglückte sein Freund Adolf Otto und musste ins Krankenhaus, wo er dann auch starb. Als Karla Otto ihren Mann im Krankenhaus besuchte, traf sie zufällig auf „Jonny“. Der äthiopische Name Gobru war den Adolfs zu ungewohnt und deshalb tauften sie ihn einfach auf Jonny um. Viele Freunde in Langen und Bremerhaven schlossen sich der veränderten Namensgebung an.

Jonny besuchte seinen Hauswirt Werner Benz und traf auf die alten Freunde Otto. Der Kontakt riss diesmal nicht mehr ab und nachdem Adolf verstorbenen war und der Verstorbene auch schon lange wieder alleine lebte, fanden die beiden Verlassenen zu einer wunderschönen Partnerschaft im Jahr 1973 zusammen, die dann 1978 zu seinem Einzug in ihr Haus in Spaden, im Meesenweg 7 führte.

Nach 29 Berufsjahren bei der Firma Baader ging er 1991 in den wohlverdienten Ruhestand.

Für die Familien Otto, den Schwiegertöchtern Rita und Silvia und den Enkelkindern Marcel, Patrick und Wiebke wurde er ein unverzichtbarer Vater, Schwiegervater und Opa. Besonders die Enkelkinder wurden zugleich auch sein ganz großes Hobby. Für sie tat er alles.

Mit seiner Karla reiste er einmal zurück in seine Heimat, die nun Eritrea heißt und nach den hoffnungsvollen Anfängen inzwischen in einem Meer von politischem Chaos versinkt.

Auch seine äthiopische Restfamilie hatte ihn nicht vergessen. Eine Tochter seiner Cousine, die „Olganesch“, kam nach Bremerhaven. Sie ist Fremdsprachenkorrespondentin geworden und benutzte jede Gelegenheit ihre Sprachenkenntnisse zu verbessern.

Aber als wir an die verschiedenen Reisen in unserem Gespräch erinnerten, fielen Namen wie Rhodos, Bayerischer Wald, Bulgarien, die Eifel und andere schöne Landschaften in Deutschland.

Er wurde ein begeisterter Radfahrer und liebte den Deich, das Meer und die Küste überhaupt.

Er war hergekommen, hatte hier Freunde gefunden und sich selbst zunehmend als Deutscher begriffen. Er war sehr genau, sehr pünktlich, sehr präzise in allem, was er tat. Dabei war er offen und ehrlich ohne seine besondere Fähigkeit, die er von seinem Vater geerbt hatte, nämlich den besten Preis heraus zu handeln, zu vernachlässigen.

Im Meersenweg 7 war er der Mann für alle Fälle, also der inoffizielle Hausmeister.

Zuletzt ging es mit ihm gesundheitlich rapide bergab. Er kam ins Klinikum und dort hörte sein Herz am 07.04.2010 für immer auf zu schlagen.

Abschied
.Wir müssen Abschied nehmen.

Dazu ist es notwendig, dass Sie alle Ihren Frieden mit dem Verstorbenen machen.

Während Sie das so still bei sich selbst entscheiden, werde ich dem Verstorbenen einen Text aus den Gedichten von Carl Weitbrecht widmen:

 

Wenn ich Abschied nehme,
will ich leise gehen,
keine Hand mehr drücken,
nimmer rückwärts sehn.

In dem lauten Saale
denkt mir keiner nach,
dankt mir keine Seele,
was die meine sprach.

Morgendämmrung weht mir
draußen um das Haupt,
und sie kommt, die Sonne,
der ich doch geglaubt.

Lärmt bei euren Lampen
und vergesst mich schnell!
Lösche, meine Lampe!
Bald ist alles hell.

Nachdem wir unseren letzten gemeinsamen Weg mit dem Verstorbenen gegangen sind, betten wir nun

Gobru (Jonny) Toglu, der am 04.11.1927 zu uns in diese Welt gekommen ist und uns am 07.04.2010 für immer wieder verlassen, zu seiner letzten Ruhe.

Er ist dorthin zurückgekehrt, woher er vor 82 Jahren zu uns in diese Welt gekommen ist.

Wir wollen nicht klagen, weil wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn unter uns hatten.

Ruhe in Frieden.

verstorbene: