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B, wie Bilder

Gespeichert von admin am/um 1. Oktober 2015

Bilder sind als Mittel der Darstellung, der Wünsche und Erinnerungen älter als Wörter. Als Gebrauchsgegenstand sind jedoch Wörter älter als Bilder.

In meinen Trauergesprächen begegnet mir oftmals ein eigenartiges Phänomen: Wenn ich z.B. darum bitte, dass man mir für die Trauerrede eine Beschreibung des Verstorbenen gibt, dann geschieht es oft, dass man mir ein Foto des Verstorbenen herüber reicht, mit dem Kommentar: „So war er!“

Manchmal gibt man mir ein Foto auch völlig ungefragt mit dem Hinweis: „Damit Sie sich ein Bild machen können!“

Die deutschen Rückkehrer aus den russischen Gebieten pflegen oft auf die Grabsteine ihrer hier Verstorbenen ein kleines ovales Bild fest zu montieren. Die Kurzfassung des Lebens mit Namen, Geburts- und Todestag genügt ihnen nicht. Sie wollen auch einen liebgewordenen bildhaften Eindruck für viele Jahre aufbewahren.

Die Bilder haben Wandlungen durchgemacht im Laufe der Jahrtausende. Waren es im Anfang „typische Bilder“, wie z.B. „das typische Weib“, der „typische Krieger“ und der „typische Herrscher“, so kamen im Laufe der Jahrtausende immer mehr individuelle Züge in die Gemälde und Statuetten. Aus der Schilderung und bildhaften Beschreibung eines Funktionsträgers wurde mehr und mehr ein individueller Mensch, einmalig und unverwechselbar.

Der ganz große Durchbruch in Richtung Individualität und Einmaligkeit kam mit der Fotografie.

Jetzt konnte man den Menschen erstmals ungefiltert sehen. Jahrzehntelang hatten Maler das versucht und die Menschen „nach der Natur“ gemalt. Das gab oft endlose Diskussionen, ob diese Warze und jener Pickel unbedingt mit gemalt werden müsse. Bei der Fotografie war diese Diskussion anfangs nicht möglich. Heute entflammt die alte Diskussion neu, weil wir gelernt haben, auch die Fotografie, wie ehedem die Maler ihr Bild „nach der Natur“, zu verändern.

Noch eine Beobachtung ist wichtig: Der Arzt und Maler Carl Gustav Carus (1789 – 1869) schrieb in seinen Lebenserinnerungen, „dass aus frühester Zeit (im einzelnen Menschen) durchaus nur einzelne Bilder vorhanden waren, und dass die allerfrühesten Erinnerungen nie einen Gedanken, sondern immer nur die eine oder andere Sinnesvorstellung – eingeprägt haben.“

elohim.io hat die Möglichkeit, den verstorbenen Menschen ganz unterschiedlich und sehr umfassend auch mit – richtigen oder veränderten - Bildern für eine längere oder kürzerer Zeit auf ganz unterschiedliche Weise aufzubewahren und bei Bedarf abzurufen. Alles das sind neue Möglichkeiten, welche dem verstorbenen Menschen nicht nur mit viel Pathos, wie es früher war, sondern ganz konkret, eine dauernde Heimstatt unter den Lebenden geben.

Endlich wird der alte – nie eingelöste – Grabsteinspruch doch noch dank moderner Technik konkrete Wirklichkeit:

„Unvergessen!“

abisz: