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E, wie Erinnerung

Gespeichert von admin am/um 1. Oktober 2015

Der große US-amerikanische Psychotherapeut Milton Erickson soll den Satz geprägt haben:

„Niemand ist zu alt, als dass er nicht eine schöne Kindheit gehabt haben kann!“

Weil dieser Satz jeder Grammatik zuwider läuft, war er jahrelang für mich verschlossen und blieb unverständlich. Erst nach vielen tausend Trauergesprächen begriff ich, dass die Vergangenheit überhaupt nichts Statisches ist, sondern etwas sehr Dynamisches und Bewegliches. Ich verstand, dass die jeweilige aktuelle Wirklichkeit die zu Tage geförderte Vergangenheit formt und prägt, also rekonstruiert.

Aber auch eine Re-Konstruktion ist immer eine Konstruktion. Vergangenheit wird also konstruiert. Sie ist nicht, sondern sie wird gemacht. Und sie wird entsprechend der aktuellen Gefühlslage und den derzeitigen Bedürfnissen und Erkenntnissen gemacht.

Erinnerung ist der dialektische Gegenpol zum Gedächtnis. Das Gedächtnis kann man in Zahlen und Dokumentationen in den Aktenkellern verstauben lassen während die Erinnerungen das tägliche Leben bestimmen.

Weil Erinnerungen ohne Gedächtnis und Gedächtnis ohne Erinnerungen nicht möglich sind, ist es sehr schwer hier eine Differenzierung zu treffen. Dennoch müssen wir die Differenzierung treffen, weil z.B. Neurosen nicht im Gedächtnis angesiedelt sind, sondern in der Erinnerung. Das Suppe schlürfen am Mittagstisch ist z.B. keine Sache des Gedächtnisses (manchmal doch) sondern überwiegend eine Sache der Erinnerung, die dann wieder aufsteigt, wenn der neue Mann – ähnlich dem Vater – auch zwischendurch seine Suppe schlürft. Dagegen ist der neue Arbeitsplatz oftmals nur ein Datum für das Gedächtnis, wenn dabei kein emotional ansprechendes Ereignis stattgefunden hat.

elohim.io legt Wert auf das Gedächtnis; denn oftmals kann das Gedächtnis ein gutes Korrektiv für die Erinnerung sein. Das Gedächtnis korrespondiert mit der sozialen Gemeinschaft und ihren verfügbaren Daten. Nur mit Hilfe des Gedächtnisses wird der Mensch zu einer historischen Persönlichkeit.

elohim.io legt Wert auf die Erinnerung; denn die Erinnerung trägt in die Zukunft. Die Erinnerung weiß noch etwas von der warmen und weichen Hand des Großvaters und von dem leckeren Erdbeerkuchen der Großmutter. Die Erinnerung weiß auch noch etwas von den ärmlichen Verhältnissen der Kindheit und sie behindert oft als satte, warme und verwöhnende Erinnerung die Durchsetzungskraft des erwachsenen Menschen.

Beispiel: Altbundeskanzler Schröder hat sich aus kümmerlichen Verhältnissen kommend über den zweiten Bildungsweg bis zum Bundeskanzler hochgekämpft. Ministerpräsident Stoiber hat eine ähnliche Geschichte. Würde man ihnen die Erinnerung nehmen, würde man ihnen auch ihre enormen Erfolge genommen haben. Ihre Erfolge sind nur möglich geworden durch ihre Erinnerungen. Die Erinnerungen haben sie voran getrieben und ihnen die Energie gegeben, ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen.

Sie haben ihre Erinnerungen dialektisch bearbeitet. In dieser dialektischen Beleuchtung sind ihre Erinnerungen zum Fundament und Motor ihres Lebenserfolges geworden. Jeder Sachverhalt ist zunächst nur ein Sachverhalt und absolut neutral. Epiktet (50 – 138 n.Chr.) sagt: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen den Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen.“

Diese „Vorstellungen von den Dingen“ entstehen aus - und in der Erinnerung. Im Gedächtnis werden Daten und Fakten abgelegt und diese werden sofort mit Bedeutungszuweisungen durch die Erinnerung verbunden. Die Daten und Fakten kann man nicht ändern. Aber die Bedeutungszuweisung, also das, was die Dinge für uns bedeuten, kann man sehr wohl verändern.

Die Kindheit ist z.B. ein Faktum des Gedächtnisses, welches wir alle erlebt haben. Aber ob es eine schöne oder nicht schöne Kindheit war, ist eine Angelegenheit der Erinnerung. Die ist durchaus veränderbar. Unsere Beispiele haben gezeigt, dass wir die Erinnerungen so gestalten müssen, dass wir darauf eine erfolgreiche Zukunft bauen können.

elohim.io möchte dabei behilflich sein, indem es den Klärungsprozess in dieser schwierigen Sache voran bringt. Erinnerungen sind das Fundament unserer Zukunft denn unsere Zukunft ist ein dynamischer Prozess, der seine dynamischen Wurzeln in der Vergangenheit hat.

Zwei letzte Beispiele:

Die Schlacht auf dem Amselfeld zwischen Serben und Türken im Jahr 1389 hinterließ nach allgemeinen Schätzungen der Historiker ca. 3 000 Tote. Die Bedeutung (Erinnerung) ist jedoch eine völlig andere; denn ca. 600 Jahre später wird diese Schlacht auf dem Amselfeld wieder zigtausend Tote im zerfallenden Jugoslawien bewirken.

Dagegen steht die Schlacht von Verdun im Jahr 1916 zwischen Deutschen, Franzosen und Engländern. Diese Schlacht kostete nach Schätzungen der Historiker ca. 350 000 Tote auf allen Seiten.

1984 trafen sich der französische Präsident und der deutsche Bundeskanzler zum gemeinsamen Gedenken in Verdun. 68 Jahre sind vergangen und Deutschland, England und Frankreich sind dabei, eine neue europäische Nation zu schaffen.

Das Gedächtnis liefert Fakten. Die Erinnerung schafft die Bedeutung.

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